Afrika im Herzen – Missionarinnen bis ans Lebensende

Seit drei Jahren verbringen siebzehn Weiße Schwestern, Missionsschwestern Unserer lieben Frau von Afrika, ihren Lebensabend im Schöffenshof in Neunkirchen/Nahe. Sie blicken auf eine erfüllte Missionszeit zurück. An den Ruhestand denken die Schwestern dabei ganz und gar nicht.

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Termine

Herzliche Einladung...

zum Konzert mit dem Kreisseniorenchor St. Wendel am 24. Mai 2012 um 14.30 Uhr.

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Ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art

20.01.2011

Ein Weihnachtsgeschenk der besonderen Art

 

Es ist ruhig geworden auf Wohnbereich Fatima. Gestern ist Frau Q. gestorben.

 

In den letzten Monaten prägte Frau Q. das Leben im Wohnbereich wie kaum eine andere. Sie litt unter eine Angstdepression, konnte aber aufgrund ihrer Demenz-Erkrankung ihre Ängste nicht verständlich äußern. Also rief sie. Laut und ununterbrochen. Tag und Nacht. Sie fand keine Ruhe, wirkte getrieben und gequält. Ständig unter Spannung konnte sie kaum etwas essen, ohne unter Übelkeit und Erbrechen zu leiden. Dabei verbrauchte sie so viele Kalorien, dass sie trotz allen Bemühungen stets mehr Gewicht verlor, bis sie nur noch ein Hauch ihrer selbst war. Je mehr Kraft sie verloren hat, umso lauter und verzweifelter rief sie. Frau Q. drohte, vor unseren Augen zu verhungern. Die Vorweihnachtszeit mit dem Duft von frisch gebackenen Plätzchen inspirierte uns. Im Zimmer von Frau Q. richteten wir eine Kuschelecke ein mit zwei Matratzen, schönen Decken und unzähligen Kissen. Dazu hochwertige Duft-Öle und Musik zur Entspannung. Wir haben gehofft, dass wir in dieser Kuschelecke Frau Q. etwas Geborgenheit schenken könnten. Frau Q. rief weiter.

 

Dann, kurz vor Weihnachten kam die zündende Idee. Zwei Schwestern aus dem Wohnbereich haben ihr ein Duftbad mit Lavendelöl eingelassen und Frau Q. gebadet. Die Wirkung war nach dem Baden fast sofort zu beobachten – Frau Q. wurde ruhiger, die Gesichtszüge entspannten sich etwas. Zufall? Vielleicht. In den nächsten Tagen wurde Frau Q. immer wieder gebadet. Immer wieder konnte man sehen, wie das Baden auf sie wirkte.

 

Beflügelt von diesem Erfolg wurde kurzer Hand aus eigener Initiative in einer ehrenamtlichen Aktion das Pflegebad in einer Wellness-Oase umgewandelt. Gardinen wurden ausgetauscht, es wurde genäht, dekoriert und wohnlich eingerichtet. Palmen und Kerzen zieren nun das einst kahle Bad. In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir auch intensive Gespräche mit der Familie von Frau Q. geführt. Für den Ernstfall wurde eine Planung im Sinne der bereits von Frau Q. verfassten Patientenverfügung erstellt. In einer solchen Notfallvorausplanung betrachten wir den Bewohner in seiner Ganzheit: nicht nur seine medizinischen und pflegerischen Bedürfnissen sind uns hier wichtig, sondern seine eigene Wertvorstellungen sowie seine psycho-soziale und spirituelle Bedürfnisse. Auch die Wünsche der Angehörigen können dabei erfasst und berücksichtigt werden.

 

Durch das Baden und die dabei erfahrene Zuwendung konnte Frau Q. sich immer mehr entspannen. Sie konnte wieder vereinzelt in klaren Sätzen sprechen. Zu unserer großen Freude hat sie am Tag vor ihrem Tod selbständig etwas Obstbrei und einen Schokoriegel gegessen. Wir fassten ein wenig Hoffnung. Leider ist gestern Frau Q. am Esstisch kollabiert. Sie war am Ende ihrer Kräfte. Sie wurde in unseren Armen zu ihrer Kuschelecke getragen, wo wir uns auch zu ihr gelegt haben. Sie suchte immer wieder Halt mit den Händen, sagte ‚Halt mich fest‘ und ‚Hilf mir‘. Wir nahmen sie in den Armen, wie eine Mutter ihr Kind. Frau Q. wurde ruhig. Sie fasste uns immer wieder an den Händen, zeigte wie und wo sie gestreichelt oder gehalten werden wollte. Mit fünf Personen wurde sie versorgt, jeder hat eine andere Aufgabe übernommen, ganz ohne Hektik oder Stress. Es wurde gebetet und gesungen. Mit Blicken und fast ohne sprechen zu müssen haben wir miteinander kommuniziert. Auch an Kleinigkeiten ist gedacht worden – zum Beispiel, dass alle störenden Telefone aus dem Zimmer mitgenommen wurden. Die Familie wurde informiert und konnte rechtzeitig zu ihrer Mutter kommen. Auch eine Krankensalbung wurde erneut gespendet.

 

Frau Q. ist ruhig und entspannt in ihrer Kuschelecke verstorben. Wir konnten für sie da sein. Wir konnten – und davon bin ich überzeugt – Werkzeug Gottes sein. Frau Q. fand Trost und Geborgenheit und konnte in unseren Armen und in den Armen ihrer Familie ihren Ängsten loslassen und in den Armen ihres Schöpfers zurück kehren.

Frau Q. in diesen Tagen zu begleiten war für mich eine Ehre. Durch diese Begleitung habe ich Weihnachten erlebt: Emmanu’el – Gott ist mit uns. Ich möchte mich dafür auf diesem Wege bei ihr bedanken. Aber auch bei dem Team im Wohnbereich. Ohne sie wäre eine Sterbebegleitung in dieser Qualität nicht möglich gewesen. Für die Kleinigkeiten, für den Austausch, für die Inspiration, für die Unterstützung, für das Weinen-Dürfen, für die Engagement… Danke.

 

Es ist ruhig geworden auf Wohnbereich Fatima. Gestern ist Frau Q. verstorben.

Ruhe in Frieden. Wir werden dich nicht vergessen.

 

David Fitzpatrick