14.05.2020

Wiedersehen auf Distanz

Nach langer Zeit und sehnsuchtsreichen Wochen, dürfen die Bewohner des Caritas SeniorenZentrums Haus am See wieder Besuch empfangen. Doch auf Umarmungen und Berührungen müssen sie noch verzichten: aus Schutzgründen gibt es klare Regeln und ein geschlossenes Fenster...

Für Heike Maier ist das Wiedersehen ein ganz besonderer Moment. Endlich kann sie ihre 80-jährige Mutter wieder besuchen. Acht Wochen gab es nur Telefonate und ab und zu ein Video-Chat. Die Angehörige hat vollstes Verständnis für die Maßnahmen, doch leicht ist die Zeit nicht.


Seit der Besuchslockerung bietet das Caritas SeniorenZentrum Haus am See Fensterbesuche an. Am Terrassenfenster des Aufenthaltsraumes dürfen sich die Bewohner und Besucher nach vorheriger Terminreservierung begegnen. Ein Pavillon mit gemütlichen Sitzmöglichkeiten ist für die Besucher hergerichtet. Zum Schutz bleibt das Fenster geschlossen und für die Unterhaltung stehen zwei Mobiltelefone bereit, die auf Lautsprecher gestellt werden. „Natürlich ist das nicht das Gleiche, aber es ist auf jeden Fall besser als nichts. Wir müssen das Beste aus der Situation machen“, sagt Heike Maier zufrieden. 20 bis 30 Minuten haben die beiden Zeit, miteinander zu reden. „Es ist eine Umstellung“, bestätigt Bewohnerin Rita Gelzleichter, aber immerhin können sie auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verzichten, so ist die Kommunikation auch über Gestik und Mimik möglich, was für einzelne Bewohner eine enorme Erleichterung darstellt.


Katrin Schmitt von der sozialen Begleitung ist eine von mehreren Mitarbeiterinnen, die die Fensterbesuche begleitet. Der Aufwand ist hoch: Telefonate führen, Termine koordinieren, Dokumentationen schreiben und während des Besuchs kontrollieren, dass die Vorgaben eingehalten werden. Die größte Herausforderung für Katrin Schmitt ist, allen gerecht zu werden, denn die Zeiten an den Vor- und Nachmittagen sind begrenzt. „Die Nachfrage ist immens. Die Zeitbegrenzung ist wichtig, damit jeder der möchte, auch an die Reihe kommt“, erklärt die Pflegefachkraft. Dennoch nehmen nicht alle das Angebot wahr. Grund hierfür ist, dass dementiell veränderte Menschen die Situation eventuell nicht verstehen können und emotional überfordert sind. Weiterhin ist es abhängig vom Wohlergehen des Bewohners. Ganz reibungslos klappt auch die Kommunikation übers Telefon nicht. Einige Bewohner hören nicht mehr so gut oder können das Telefon nicht halten. Die Betreuerinnen helfen so gut es geht. Dennoch müssen viele Bewohner und Angehörige bis zu ihren ersten Besuch Geduld üben. Angesichts des enormen Aufwandes, der räumlichen Begrenzung und der erforderlichen Personalisierung sind Abweichungen von dieser zeitlichen Regelung nicht möglich.


„Den Mitarbeitenden wurde in den letzten Wochen und Monaten viel abverlangt. Wir geben unser Bestes und sind sehr bemüht, weitere Besuchsmöglichkeiten zu erarbeiten“, betont Einrichtungsleiterin Steffi Gebel. In kleinen Schritten strebt Haus am See eine stufenweise Normalisierung der sozialen Kontakte unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Situation an. Ein Phasenmodell soll die Besuchsregelungen lockern: „Es wird eine große Herausforderung, sowohl pflegerisch als auch gesellschaftlich, die Einschränkungen für die älteren Menschen und unsere Bewohner zu kompensieren. Daher sind Einrichtungen und Angebote zu ergreifen, die zum Wiederaufbau von Alltagsstrukturen führen. Hierzu bedarf es auch neuer Formen der Sozialkontakte“, erklärt David Fitzpatrick, Leiter Palliative Care sowie Fachpfleger für Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin und Qualitätsbeauftragter im Haus am See. „Mit dem aktuellen Besuchsfenster kann gewährleistet werden, dass es keinesfalls zu einer Keimübertragung im Rahmen des Besuchs kommt.“ Seine Sorge ist berechtigt. „Es ist ein Appell an die Vernunft. Diese Maßnahmen dienen zum Schutz der Bewohner und Mitarbeitenden. Wir hoffen auf das Verständnis der Besucher und Bewohner", ergänzt Steffi Gebel.


Der nächste Fenstertermin steht schon auf der Liste. Schnell desinfiziert Katrin Schmitt Fenster, Tisch und Stühle. Zum Abschied winkt die Bewohnerin ihrer Tochter noch lange nach.

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